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Mehr als 1000 FĂ€lle von Affenpocken in Deutschland

In Deutschland sind inzwischen mehr als 1000 Affenpocken-FĂ€lle erfasst worden. Das Robert Koch-Institut (RKI) wies in einer Online-Übersicht mit Stand Freitag (1. Juli) insgesamt 1054 ĂŒbermittelte FĂ€lle aus allen BundeslĂ€ndern aus.

Dem RKI seien bislang weiterhin nur FĂ€lle bei MĂ€nnern ĂŒbermittelt worden, es gebe jedoch einige wenige ĂŒbermittelte FĂ€lle ohne Angabe des Geschlechts, sagte eine Sprecherin auf Anfrage. Die Risiko-EinschĂ€tzung des Instituts lautet: «Eine GefĂ€hrdung fĂŒr die Gesundheit der breiten Bevölkerung in Deutschland schĂ€tzt das RKI nach derzeitigen Erkenntnissen als gering ein.» Fachleute beobachten die Situation genau und ordnen die neue Dimension an Fallzahlen ein.

«Das Erreichen dieser Zahl ist nicht beunruhigend», sagte Timo Ulrichs, Experte fĂŒr Globale Gesundheit an der Akkon Hochschule fĂŒr Humanwissenschaften in Berlin. «Es ist zwar nicht schön und hĂ€tte gleich zu Beginn viel besser kontrolliert werden mĂŒssen», die Lage sei aber ĂŒberhaupt nicht mit der Corona-Pandemie vergleichbar. Die ersten Affenpocken-FĂ€lle in Deutschland waren vor etwa sechs Wochen bekannt geworden.

Übetragung durch engen Körperkontakt

Die eigentlich seltene Virus-Erkrankung, von der weltweit zuletzt mehrere Tausend FĂ€lle nachgewiesen wurden, ĂŒbertrĂ€gt sich nach bisherigem Kenntnisstand hauptsĂ€chlich durch engen Körperkontakt von Mensch zu Mensch. Nach WHO-Angaben sind die allermeisten Betroffenen MĂ€nner, die Sex mit MĂ€nnern haben. Generell kann sich aber jeder durch engen körperlichen Kontakt infizieren. Ulrichs betonte, einer Stigmatisierung mĂŒsse entschieden entgegengewirkt werden.

Weil die Übertragung hauptsĂ€chlich auf dem sexuellen Weg erfolge, seien die Mittel zur EindĂ€mmung klar: «Gute Kommunikation, Safer Sex und eine konsequente Nachverfolgung der eher kurzen Infektionsketten», so Ulrichs. Damit und eventuell einer Impfung werde sich die Verbreitung gut eindĂ€mmen lassen, «sodass in nĂ€herer Zukunft die Zahlen nur noch wenig steigen und die Affenpocken in den folgenden Jahren eher zur Randnotiz werden».

Das RKI betont, das Tragen von Kondomen alleine schĂŒtze nicht vor einer Infektion. Infizierte sollten jede Art von engem Kontakt, auch geschĂŒtzten sexuellen Kontakt, mit anderen Menschen vermeiden, bis der Ausschlag abgeklungen und der letzte Schorf abgefallen sei.

Weltweites Infektionsgeschehen ĂŒberraschend hoch

Der Virologe Norbert Nowotny von der UniversitĂ€t Wien sagte mit Blick auf das weltweite Infektionsgeschehen: Diese hohe Zahl an Infektionen in rund 50 verschiedenen LĂ€ndern außerhalb der afrikanischen Endemie-Gebiete sei nicht erwartet worden. Auch er betonte, AufklĂ€rung und Information mĂŒssten intensiviert und insbesondere an die am meisten betroffenen Bevölkerungsgruppen herangetragen werden.

Affenpocken gelten verglichen mit den seit 1980 ausgerotteten Pocken als weniger schwere Erkrankung. Experten hatten vor einer Weiterverbreitung des Virus, etwa bei bevorstehenden Festivals und Partys gewarnt. Die Symptome (darunter Fieber und Hautausschlag) verschwinden meist von selbst, können bei einigen Menschen aber zu medizinischen Komplikationen und sehr selten auch zum Tod fĂŒhren.

Die StĂ€ndige Impfkommission (Stiko) empfiehlt eine Impfung fĂŒr bestimmte Risikogruppen und Menschen, die engen Kontakt zu Infizierten hatten.

Schwere KrankheitsverlÀufe selten zu erwarten

Nowotny fĂŒhrte aus, dass durch die Zugehörigkeit des ursĂ€chlichen Virus zu einem Stamm, der eher milde klinische VerlĂ€ufe hervorrufe, schwere KrankheitsverlĂ€ufe selten zu erwarten seien - außer bei immungeschwĂ€chten Menschen, fĂŒr die aber ein spezifisches antivirales Medikament zur VerfĂŒgung stehe. Dennoch mĂŒsse das Ziel sein, den Ausbruch «im Laufe der nĂ€chsten Monate zu stoppen», so der Experte.

Dabei sei das Hauptproblem die relativ lange Inkubationszeit von bis zu drei Wochen. Infizierte mĂŒssten also verlĂ€sslich sehr nahe Kontaktpersonen in dieser Zeit den Behörden bekanntgeben. Diese mĂŒssten dann die notwendigen QuarantĂ€nemaßnahmen anordnen und unter UmstĂ€nden eine Pockenschutzimpfung initiieren. Die Prognose Nowotnys fiel aber auch vorsichtig optimistisch aus: Mit einer zeitnahen Umsetzung der Mittel sei es wahrscheinlich möglich, den Ausbruch in den nĂ€chsten Monaten einzugrenzen und letztlich zu stoppen.

Affenpocken-Infektion an OberflÀchen nur schwer möglich

OberflĂ€chen, die an Affenpocken erkrankte Patienten berĂŒhrt haben, können hochgradig mit dem Virus belastet sein. Das ist das Ergebnis einer am Freitag veröffentlichten Untersuchung von Forschenden des UniversitĂ€tsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE). Zugleich werde Entwarnung gegeben: Es sei mit der Studie noch nicht bewiesen, dass sich andere Menschen durch den Kontakt der kontaminierten OberflĂ€chen anstecken können.

«Wir gehen davon aus, dass OberflĂ€chen sehr stark belastet sein mĂŒssten, um sich durch den Kontakt mit dieser OberflĂ€che anstecken zu können», sagte Johannes Knobloch, Leiter der Studie und des Arbeitsbereichs Krankenhaushygiene des UKE. Dies betreffe wahrscheinlich vor allem in der Versorgung betroffener Patienten tĂ€tige Menschen sowie Personen, die mit einem Erkrankten zusammenleben. «Von öffentlich zugĂ€nglichen HandkontaktflĂ€chen wie TĂŒrklinken oder Aufzugknöpfen geht nach den bisherigen Erkenntnissen keine GefĂ€hrdung aus.»


Copyright 2022, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten / Bild: -/Institute of Tropical Medicine, Antwerp/dpa
(01.07.2022)


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